Gedanken zur Nacht

Zwölfter Mai Zweitausendfünfzehn – Und noch immer keine Nachricht von Außerirdischen.

Wobei es erstaunlich viele Menschen gibt, die an außerirdische Wesen in unseren Reihen glauben. Diese sollen sich anschicken, die Weltherrschaft zu übernehmen und uns Erdlinge irgendwie fernzusteuern, auszubeuten. Ich glaube ja, dazu braucht es keine Außerirdischen, das können wir Erdlinge ganz allein.

Zweitausendfünfzehn – Ich erlebe mich in einer freiheitlichen Demokratie, die immer mehr Konsum befördert und mit erstaunlich wenigen Konsequenzen zurecht kommt. Wer ist sich schon der Konsequenzen seiner selbst bewußt? Seines Handelns, seines Konsums? Und warum auch über Konsequenzen nachdenken, wenn selbst die von uns gewählten Repräsentanten, keine Konsequenzen mehr zu kennen scheinen. Da sorgt der hessische Ministerpräsident entweder aus Blödheit oder mit Vorsatz dafür, dass RWE wegen des Atomausstiegs Schadenersatz iHv 880 Millionen Euro einklagen kann. Schönen Dank, Herr Bouffier! Vielleicht sollten Sie mir auch mal schreiben… Oder neulich, als unser Innenminister Thomas de Maizière in der BND-Affäre kurzerhand vor der Kamera erklärt „Von den Vorwürfen gegen mich bleibt nichts übrig“. Aussitzen, Ausschweigen, Kopp runter… sind das die Tugenden 2015? Ach ja, und mit Geldscheinen um sich werfen – am besten nicht die eigenen. Es gibt ein schönes Sprichwort: „Wenn Du einen Fehler gemacht hast, dann räume diesen sofort aus der Welt. Tust Du es nicht, so begehst Du einen zweiten schweren Fehler.“ So oder so ähnlich… ist bestimmt von einem Zenmeister oder einem Ninjakämpfer. Was ich damit sagen will: Fehler machen an sich ist nicht schlimm, aber vertuschen, wegsehen und keine Konsequenzen ziehen, das ist schlimm. Auch für die eigene Psyche kann es sehr befreien sein, zu den eigenen Fehlern zu stehen und diese ggf. aus der Welt zu räumen.

Nochmal zum Ausgangspunkt zurück: freiheitliche Demokratie? Wenn es mit „Den Insitutionen“, wie die EU-Troika ja nun genannt wird, so weiter geht, dann ist es mit der Demokratie ohnehin bald vorbei. Dann leben wir in Goldmansachsenhausen mit Mario Draghibert als König. Oder ist das vielleicht schon so und wir haben es nur nicht bemerkt, weil wir so furchtbar beschäftigt waren zu konsumieren.

Themenwechsel: Neulich wurde ich gefragt „Du möchtest doch ernst genommen werden, oder?“ – Das ist eine sehr spannende Frage, die mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Gemeint war „als Künstler ernst genommen werden“. Mein erster Impuls war „ich möchte mit Respekt behandelt werden“. Ob ich von anderen erst genommen werde, oder nicht, ist mir relativ… doch was heißt es eigentlich „als Künstler erst genommen zu werden?“ – darauf habe ich im Moment keine Antwort. Vielleicht bedeutet es, gehört zu werden, dass steile Thesen Beachtung finden und zu weiteren Diskussionen führen. Dass es zu einer Transzendenz kommt. Dass sich Ansichten verändern. Dass neue Perspektiven möglich werden.

Kunst ist, sich selbst ein Bild zu machen.

Gute Nacht, Eure Julia

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Ein Gedanke zu „Gedanken zur Nacht“

  1. Hallo Julia,

    zum Thema „als Künstler ernst genommen werden“:

    Ich beantworte diese Frage mit einem klaren „Ja“.
    Nicht weil ich mich als verbitterte Person sterben möchte, sondern weil im „ernst nehmen“ eine Botschaft der Anerkennung steckt, die m.E. jeder Künstler/Mensch für sich anstrebt.
    Dabei unterscheide ich klar zwischen dem Werk und der Person, die dahinter steckt.

    Auch die Blödelei eines Otto Walkes schwer haben wird „Ernsthaftigkeit“ einzufordern, so wird er selbst als Person mit Sicherheit in seinem Streben nach Ausgelassenheit durchaus für aeine Person diesen Anspruch erheben. Immerhin arbeitet er tagtäglich daran und das macht er in den Augen vieler recht gut.

    In diesem Sinne:

    Liebe Grüße,

    Nick

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